Katja (42)Psychologin

Kein Happy End nach sechs Fehlgeburten

Vier Fehlgeburten nach spontaner Schwangerschaft und zwei im Rahmen einer Eizellspende hat Katja durchlebt. Sie erzählt nicht nur vom Abschied ihres Wunschkindes, sondern auch vom Abschied des Kinderwunsches.

Meine Geschichte beginnt vor sieben Jahren, als mein Mann und ich (34 Jahre) frisch verliebt unseren ersten Schwangerschaftstest in der Hand halten, nichts ahnend, auf welche lange und schwierige Reise wir uns nun begeben werden. Wir sind, wie wahrscheinlich viele werdende Eltern, freudig gespannt und schwanken zwischen Vorfreude und Zukunftsplanung, aber auch Angst, ob wir das alles schaffen. Nie im Traum hätten wir daran gedacht, dass etwas mit dem in mir wachsenden Kind nicht stimmen könnte. Beim nächsten Frauenarzttermin wird mir als erstes der Mutterpass ausgestellt und ich bin einfach nur glücklich und stolz.

Als der Arzt jedoch beim Ultraschall gefühlt endlose Minuten nichts sagt und nach dem Herzschlag sucht, wird mir mitgeteilt, dass keine Weiterentwicklung stattgefunden hat und ich eine Ausschabung machen lassen muss. Und das am besten schnell! Noch am gleichen Tag sitze ich im Wartezimmer der Klinik, zusammen mit Müttern und schreienden Babys. Für mich und meinen Mann ist eine Welt zusammengebrochen, all unsere Vorstellungen sind zunichte.

Schon am nächsten Tag erscheine ich früh ganz nüchtern und erhalte ein Zäpfchen, zum Öffnen des Muttermundes. Gegenüber von mir liegt eine Frau - es ist ihre 3. Fehlgeburt, ihr Ehemann ist dieses Mal nicht mitgekommen. Wir denken uns "Oh Gott, wie kann man das aushalten, drei Fehlgeburten." Gegen Mittag bricht mein Kreislauf zusammen, da ich lange nichts gegessen und getrunken habe. Die Ärztin muss mich früher als geplant in den OP nehmen, begleitet mit den Worten "Oaarrr, jetzt muss die auch noch zusammenklappen."

Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, fühlt ich mich unendlich traurig und leer. Sowas will ich nie wieder erleben, dachte ich mir, und dennoch kam es so, dass wir ein paar Monate später erneut spontan schwanger wurden, aber auch diese Schwangerschaft nicht hielt. Ein Jahr darauf folgte eine erneute Schwangerschaft, wieder ein Abort, dieses Mal in der 10. SSW. Ich hatte nun auch drei Fehlgeburten.

Es folgen unzählige Untersuchungen, eine Uterus-OP und in Folge ein starker Hormonabfall. Die Diagnose vorzeitige Menopause mit 37 Jahren - ein Schlag ins Gesicht, vor allem, weil ich immer einen gesunden Lebensstil hatte. Es war nun also nicht mehr unser Problem schwanger zu bleiben, sondern überhaupt noch schwanger zu werden. Eine Odyssee mit Versuchen von künstlicher Befruchtung begann und endete mit der Empfehlung der Eizellenspende.

Spontan wurde ich zwischendrin noch einmal schwanger, aber schon in der 6. SSW ging das Kind wieder. Im Vergleich zu den bisher erlebten Ausschabungen, war das jedoch für mich der angenehmste Abschied von meinem Kind - selbstgewählt und ohne Fremdeinwirkung. Eine Eizellenspende konnte ich mir im ersten Moment nur schwer vorstellen, aber nachdem wir als Paar viel darüber gesprochen und abgewogen haben, ich mir Zeit für die Entscheidung gelassen habe, starteten wir mit der Behandlung im Ausland.

8 Eizellen, 4 Versuche und 2 Fehlgeburten später, schreibe ich diese Zeilen. Meine Tochter habe ich vor kurzem in der 22. SSW nach einer akuten Plazentainsuffizienz still geboren. Der Schmerz ist dieses Mal noch größer, denn wir haben viele Kindsbewegungen intensiv miterlebt. Der Schmerz ist und bleibt tief, da wir uns nun auch von unserem Kinderwunsch verabschieden müssen. Ich bin 42 Jahre und es war unser letzter Versuch. Auf dieser Internetseite habe ich ausschließlich von Frauen gelesen, die bereits Kinder haben und dann Fehlgeburten durchmachen mussten oder nach Fehlgeburten doch noch ein Happy End Kind bekommen haben. Die Aussagen in einigen Beiträgen "Nicht auszudenken, wenn ich ohne Kinder geblieben wäre." schmerzen mich sehr. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, mit dem Tabu zu brechen, dass es auch Frauen bzw. Paare gibt, für die es am Ende nicht gut ausgeht.

Das Ende vom Anfang – Katja
Katja (42)Psychologin

Katja (42 Jahre), Psychologin

Vorheriger Bericht Marleen (32)

Auf einmal selbst betroffen

Am 24.09.2020 veröffentlicht.