Lotta (30)Lehrerin

Diagnose: Trisomie 13

Lotta erfährt in der 15. Woche, dass ihr Baby Trisomie 13 hat. Ihre Tochter ist leider nicht lebensfähig. Bei Lotta bleibt die Trauer — und die Zweifel.

Es war ein Montag: Ich bekam während des Unterrichts einen Anruf meines Arztes. Normalerweise gehe ich nicht ans Telefon, aber irgendwie sagte mein Gefühl mir, dass ich dran gehen solle. Er sagte mir, dass der Pränataltest bei der Trisomie 13 auffällig wäre, und dass ich vorbei kommen müsse. Er sagte dazu, dass das noch nichts heißen müsse.

Am nächsten Tag hatte ich den Termin in der Praxis, wo mir gesagt wurde, dass für mich ein Termin beim Pränataldiagnostiker gemacht wurde, gleich am nächsten Morgen. Mein Frauenarzt war sehr zuversichtlich, da dass Ersttrimesterscreening unauffällig war.

Ich habe diese Zuversicht übernommen. Am Mittwochmorgen fuhren mein Mann und ich zu dem nächsten Arzt. Er sagte uns vorab auch, dass es mit meinen ganzen Parametern (15. SSW, Alter, unauffälliges ETS) in 90% der Fälle ein falsch-positives Testergebnis des Pränatests bei der Trisomie 13 sei. Also waren wir weiterhin guter Dinge.

Dann ging es weiter mit dem Ultraschall und drei Sekunden, nachdem er begonnen hat zu schallen, traf es uns wie ein Schlag. „Zweifelsfrei… Trisomie 13“, sagte er.

Ich konnte mich noch etwa eine halbe Minute beherrschen und dann überrollten mich die Emotionen. Ich weinte bitterlich und brach innerlich zusammen: „Wie kann das sein? Warum wir? Ich glaube das nicht! Das kann nicht wahr sein!“ Diese Sätze sagte ich mehrfach und zwischendurch sah ich auf den Bildschirm und sah meine Tochter, die völlig unbeschwert gewunken hat. Es war unerträglich und ich musste meinen Blick abwenden.

Die Anzeichen waren eindeutig: Die Gehirnhälften waren nicht getrennt, es gab keine Nase, einen Herzfehler und es waren sechs Finger an jeder Hand.

Drei Tage später haben wir uns von unserem Sternenkind verabschiedet.

Eigentlich war eine stille Geburt im Krankenhaus geplant. Jedoch ist diese nicht selbstbestimmt abgelaufen. Und ich hatte auch keine Kraft, dagegen anzukämpfen. So lag ich erst vier Stunden in den Wehen, und dann bekam ich eine Narkose und es wurde eine Absaugung vorgenommen. Wir konnten unser kleines Mädchen nicht mal mehr sehen, was leider nicht sehr einfühlsam von den Ärzten war. Denn ich hatte wohl direkt nach dem Aufwachen (wovon ich aber nichts mehr weiß) gefragt, ob ich meine Tochter sehen kann.

Das Gefühl danach ist schwer zu beschreiben. Es ist, als wenn jemandem ganz klar eine Charaktereigenschaft zugeordnet werden kann, weil diese den Menschen ausmacht: beispielsweise ist jemand immer total fröhlich und dann wird demjenigen diese Fröhlichkeit genommen, von jetzt auf gleich, und es gibt keine Erklärung, sie kommt auch nicht zurück. Man muss sich einfach damit abfinden. Aber: Es fehlt etwas!

Momentan (4 Wochen nach dem Abschied) beginnen die Zweifel, ob und wann es wieder funktionieren wird, und ob dann alles gut geht. Medizinisch spricht vorerst nichts dagegen, weil es eine freie Trisomie 13 war, aber diese Ängste gehen dadurch nicht weg.

Trotz der Ängste und Zweifel wurde uns direkt im zweiten Zyklus danach ein neues Wunder geschickt und es entwickelt sich alles ganz prima. Die Trisomien konnten bereits jetzt ausgeschlossen werden.

Das Ende vom Anfang – Lotta
Lotta (30)Lehrerin

Vorheriger Bericht Margarete (35)

Missed Abortion ohne Ausschabung

Am 04.11.2021 veröffentlicht.