Als das Herz aufhörte, zu schlagen.
In ihrem kurzen Bericht erzählt Pia von ihrer Vorfreude auf ihr Wunschkind, das immer in ihrem Herzen bleiben wird. Sie entschied sich nach einem Missed Abort in der 12. Woche für eine Kürettage. Diese Entscheidung bereut sie mittlerweile.
Ich wurde gleich im ersten Zyklus schwanger- Es war unser absolutes Wunschkind. Als ich den positiven Test in den Händen hielt, konnte ich es kaum glauben. Alles fühlte sich so richtig an. Ich spürte tief in mir: Jetzt beginnt etwas Großes.
Ich stellte mir vor, wie unser Kind aussehen würde, wie es sich anfühlen würde, Mutter zu sein. Ich hatte so viele Hoffnungen, so viele Träume. Und obwohl mein Bauch noch flach war, fühlte ich mich schon als Mama.
Dann kam die zwölfte Schwangerschaftswoche. Ein ganz normaler Vorsorgetermin beim Frauenarzt. Ich ging dorthin ganz unbeschwert – warum sollte etwas nicht stimmen?
Ich lag auf der Liege, sah auf den Bildschirm, wartete auf das vertraute, schnelle Pochen. Aber der Arzt sagte nichts. Er schaute lange. Dann sah er mich an und sagte: „Es tut mir leid. Das Herzchen schlägt nicht mehr.“
In dem Moment wurde alles still in mir. Ich verstand die Worte – und doch verstand ich gar nichts. Ich hatte nichts gemerkt. Keine Schmerzen keine Blutungen. Mein Körper hatte es weitergetragen, obwohl mein Baby seit einer Woche gegangen war. Ein Missed Abort, sagte man mir. Worte, die plötzlich mein ganzes Leben in ein Davor und Danach teilten.
Was danach geschah, fühlte sich an wie ein Traum. Oder eher wie ein Nebel. Der Arzt sprach über Möglichkeiten, über das, was jetzt medizinisch passieren musste. Ich hörte zu, ohne wirklich zu begreifen. Ich entschied mich für eine Ausschabung im Krankenhaus. Es schien der Weg zu sein, den viele gingen.
Aber heute weiß ich: Es war nicht mein Weg.
Ich war nicht genug aufgeklärt. Ich hatte keine Zeit gehabt, in mich hineinzufühlen. Keine Zeit, mich zu verabschieden. Wenn ich heute zurückblicke, wünschte ich mir, ich hätte eine kleine Geburt zu Hause erlebt – mit meinem Freund an meiner Seite, in einem geschützten Raum. Ich hätte mich gerne selbstbestimmt von meinem Kind verabschiedet, nicht unter den grellen Lichtern eines OPs.
Ich trage diesen Tag in mir. Die Entscheidung. Den Schmerz. Die Leere. Aber auch die Liebe. Denn obwohl mein Kind nicht bleiben durfte, war es da und ich war seine Mutter.
Es gibt Tage, an denen ich mir vorstelle, wer mein Kind geworden wäre. Wie es gelacht hätte. Wie es sich angefühlt hätte, es in meinen Armen zu halten. Und obwohl ich es nicht großziehen durfte – es wird immer ein Teil von mir bleiben.
Für immer.
Ich bin 24 Jahre alt und arbeite als Erzieherin in einer Grundschule. Ich liebe die Sonne und die Natur. Bei ausgiebigen Spaziergängen mit meinem Hund und Freund, bekomme ich den Kopf frei.